Mein Schwanz gehört mir, mir ganz allein

Es gibt immer mal wieder Momente, da kotzt mich eine Sache tierisch an, mit der ich eigentlich längst meinen Frieden gemacht habe. Ich habe mich daran gewöhnen müssen, das man heutzutage an jeder Ecke mit Sex belästigt wird, ob man gerade Lust drauf hat, oder nicht.
Letzte Woche kam mir der Werbeclip eines Dienstleisters unter. Es geht los mit einer Frau, die auf einem Bett liegt. Mittels einer gekonnten Pornopirouette schafft sie es, sowohl ihre Titten als auch ihren Arsch effektvoll der Kamera zu präsentieren. Ihr Aufzug hätte sich super in jedem Wet-Shirt-Contest gemacht. Zu diesem Zeitpunkt nimmt die Magensaftkonzentration in meinem Mund schon schlagartig zu. Ich halte das Kotzen aber erstmal ein, um nicht zu verpassen, wie es weitergeht. Als nächstes weckt die Frau ihren Partner, der neben ihr schläft, um ihm mitzuteilen, daß sie nicht schlafen kann. Daraufhin deutet der Partner eine Liebkosung an um im letzten Moment auf eine Kopfnuss umzuschwenken und seine Partnerin damit K.O. zu schlagen. Das alles mündet in dem Slogan, daß es ja ganz leicht ist, seine Partnerin zum Schlafen zu bringen, genauso wie es ganz leicht ist zum Angebot dieses Dienstleisters zu wechseln.
Fassen wir zusammen: erst wird die Frau auf ihre Geschlechtsorgane reduziert, danach wird sie als zu unselbstständig dargestellt, um das Problem mit dem Einschlafen lösen zu können und es endet damit, daß sie eins auf die Fresse bekommt, was wohl total lustig sein soll. Wenn man sich mal kurz dran erinnert, was das Ziel von Werbung ist, nämlich das der Zuschauer sich mit den Protagonisten und dem vermittelten Lebensgefühl identifizieren kann und zwar möglichst so stark, daß er es nachempfinden will, in dem er sich so verhält wie porträtiert und die nötigen Accessoires dafür kauft, dann kann man vielleicht den ein oder anderen Teil der Darbietung als grenzwertig empfinden. Aber ich wollte eigentlich auf was anderes hinaus.
Mir geht’s auf den Nerv, das ständig Leute an meinen Schwanz ranwollen. Ständig hält mir auf irgendeinem Plakat ’ne Halbnackte ihre Titten oder ihren Arsch ins Gesicht. In meiner alten Uni wurden die Studentenparties mit der Abbildung einer Frau beworben. Die Frau wurde vom Hals bis zur Hüfte gezeigt. Die Roboterfrau in der Saturnwerbung ist nur deshalb eine Roboterfrau, damit man ihre Roboternippel unverhüllt zeigen kann. Als Menschen sind wir darauf teils programmiert, teils sozialisiert worden, auf bestimmte Schlüsselreize zu reagieren, z.B. die Farbe rot, weil wir sie mit Gefahr assoziieren. Männer sind u.a. darauf programmiert auf weibliche Rundungen zu reagieren. Das liegt daran, das es mal unsere Aufgabe war, möglichst über all unseren Samen zu verspritzen.
In der Werbung hat das Spiel nur einen Zweck: mir soll vermittelt werden, daß ich mit dem Erwerb des beworbenen Produktes auch diese Titten bekomme oder ich soll von den Titten abgelenkt werden, damit ich das Produkt kaufe, weil ich gerade in anderen Sphären schwebe. Ich finde das vulgär. Aber ich will hier ja nicht moralisieren, ich will bei mir bleiben. Ich finde das unangenehm bis übergriffig. Ob das wohl vergleichbar ist mit dem Gefühl, was eine Frau hat, wenn sie einem Mann gegenüber sitzt und sich unterhalten will, der Mann aber die ganze Zeit nur auf ihre Titten starrt?
Das Schlimme ist: es funktioniert. Es ist nicht so, daß mich diese Werbung dazu verleitet, etwas zu kaufen. Aber sie erregt meine Aufmerksamkeit. Ständig sagen meine Augen meinem Hirn: Guck mal, Titten!!! Mein Hirn muß dann jedesmal antworten: jetzt nicht. Dabei ist es nicht so, daß ich irgendwas gegen Titten hätte! Ich bin kein Sexfeind, ich habe sehr gerne Sex. Ich schaue auch gerne mal Pornos, wenn ich das Gefühl habe, da sind Leute die das freiwillig machen zu Gange. Ich möchte aber den Zeitpunkt selbst bestimmen können, wann ich mich auf meine Sexualität einlasse, wann sie eine Rolle spielt. Das ständig Leute, die ich nicht mal kenne, versuchen mich darüber zu beeinflussen, das stört mich gewaltig.
Leider scheine ich damit ziemlich alleine zu stehen. Ich persönlich kenne keinen einzigen Mann, der sich so äußern würde, ganz im Gegenteil lassen sich viele bereitwillig über ihre Libido manipulieren. Frauen scheinen sich daran leider auch viel zu selten zu stören. An besagter Uni sprach ich mal mit meinen Kommilitoninnen darüber, die hat’s nicht gestört. Vielleicht fällt Frauen sowas auch nicht so ins Auge? Sie sind ja nicht die Zielgruppe. Im feministischen Diskurs spielt es natürlich eine Rolle, wenn Frauen auf ihre Sexualität reduziert dargestellt werden. Das irgendwo erwähnt wird, daß Männer sich durch diese Übergriffigkeit gestört fühlen könnten, habe ich noch nirgendwo gelesen.

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16 Gedanken zu „Mein Schwanz gehört mir, mir ganz allein

  1. „““Das irgendwo erwähnt wird, daß Männer sich durch diese Übergriffigkeit gestört fühlen könnten, habe ich noch nirgendwo gelesen.“““…
    ————————————————–

    Na, dafür sind sie wahrscheinlich zu jung.
    Das Problem der Kommerzialisierung der Sexualität,die durch die Verleugnung und Unterdrückung unserer (Männer wie Frauen) symbiotischen Struktur (Monogam -und -Promisk) in patriarchalen kapitalistischen Gesellschaftssystemen als sexuelle Befreiung verkauft wird, ist ein uraltes Thema.
    Leider haben die sog.Kommunisten das Thema der Emanzipation der Frau als Nebenproblem behandelt und alle Probleme auf einen gesellschaftlichen Diskurs reduziert, während die sog. Rechten der biologische Diskurs überlassen wurde.
    Die symbiotisch-biologische Struktur der Menschen, folgend der symbiotischen Struktur der Evolution( vgl. Lynn Margulis, Die andere Evolution) wurde nicht erkannt, da die damaligen Kenntnisse der Zellbiologie dies bei weitem nicht zuließen und Darwin ein den patriarchalen Gesellschaftsverständis angeblich schlüssige Erklärung der Evolution „lieferte“, mit Kampf und Selektion statt Symbiose, was den Vorstellungen der patriarchalisch denkenden Leninisten recht war. So erklärt sich auch die angebliche Zweitrangikeit der Frauenfrage, die sexuelle Unterdrückung der Promiskuität die auch in den Frauen ist, über ökonomische Abhängigkeiten und körperliche Gewalt.
    Die sog. Feministinen aber auch die, die wirklich nur emanzipatorische Interessen der Frauen vertreten, rekurieren leider auch nur auf den gesellschaftlichen Diskurs.
    Evolutionäre biologische und gesellschaftliche Strukturen dürfen aber nicht getrennt betrachtet werden,
    Erst wenn wir in der Emotionalität der Menschen eine Akzeptanz dessen was sie sind, nämlich durch und durch symbiotisch , erzielen, unsere Sexualität in jeweiligen Gleichgewicht der symbiotischen Struktur des Einzelnen in seinen Lebensphasen und das Ausleben dieser Strukturen —auch– den Frauen, besser dem weiblichen im Menschen, zubilligen, werden wir, den Kommerz aus der Sexualität eindämmen können.
    Komplett geht dies nicht und sollte dies auch nicht, da steht der freie Wille des Einzelnen, den es zu respektieren gilt, auch wenn dies dem einen oder dem anderen nicht gefällt. Blutige Pornographie,Sodomie und Sex mit Kindern sollte aber unbedingt verboten werden.

    • Danke für den Kommentar, war der erste in meinem Blog. 🙂
      Der Begriff der Symbiose in diesem Zusammenhang gefällt mir sehr gut, weil er zum Ausdruck bringt, daß sowohl das Monogame als auch das Promiskuitive ein wichtiger Teil von uns sind.
      „Evolutionäre biologische und gesellschaftliche Strukturen dürfen aber nicht getrennt betrachtet werden.“ Der Satz gefällt mir auch sehr gut. Das ist ein Gedanke, dem ich mich auch schon mal angenähert habe, aber ganz so weit war ich noch nicht. Da muß ich mal weiter drüber nachdeknen.

  2. Es ist als Fortschritt zu betrachten, das man(n) lernt mit der eigenen Sexualität umzugehen. Wenn es Dir nicht passt, mit erotischen Bildern (damit schließe ich sexistische Werbung aus) konfrontiert zu werden, empfehle ich Dir entweder in ein islamisch geprägtes Land zu emigrieren, wo Frauen nur verhüllt im öffentlichen Raum sichtbar sind.

    Oder Dir einfach einen Kopftuch um dein Haupt zu binden, so das Dir der Blick auf die Außenwelt komplett erspart bleibt.

    Dann wirst Du auch nicht mehr ‚manipuliert‘.

    Nicht gelebte (sexuelle) Bedürfnisse & Gefühle verschwinden nicht einfach, wenn man sie unterdrückt.
    Wenn Dich freizügige Darstellungen Ärgern, sind diese nur der Auslöser, nie aber der eigentliche Grund.
    Für Dich sind das nur der Anlässe um ein überhörtes Gefühl, oder anderen selbstfabrizierten Frust loszuwerden. Entscheidend ist aber wie achtsam und verantwortungsbewußt Du mit Dir selbst umgehst.

    • Ich habe doch explizit geschrieben, daß ich kein Problem mit Erotik oder Pornographie habe. Ich möchte Frauen auch nicht vorschreiben, wie sie sich zu kleiden haben. Mir hier gleich eine unterdrückte Sexualtität zu unterstellen und mir die Emigration nahe zu legen, bloß weil ich ein wenig ereifere, finde ich doch etwas übertrieben. Und ist es eigentlich notwendig immer gleich ein ominöses islamisch geprägtes Land herbei zu zitieren, wenn man ein Beispiel für eine sexuell repressive Gesellschaft braucht? Wie wär’s zur Abwechslung mal mit Malta?
      Ich denke, zwischen einer übersexualisierten Gesellschaft wie der unsrigen und einer prüden bis sexuell repressiven Gesellschaft ist auch noch ein Mittelweg denkbar.

  3. Du scheinst aber ein Problem mit Titten und Ärschen zu haben. Was wenn Dir jene freizügig im Sommer von einigen Frauen offenherzig ‚präsentiert‘ werden? Bescheinigst Du jenen Frauen dann auch in paternalistischer Art, ‚übersexualisiert‘ zu sein, oder manipulative Absichten zu hegen?
    Vielleicht noch mit dem Hinweis sich nicht wie Schlampen zu kleiden?

    Es ging Dir hier nicht um sexismus in der Werbung, oder sexismus generell, sondern um Dein Unbehagen mit sexuellen Reizen denen Du Dich nicht entziehen kannst.

    • –Du scheinst aber ein Problem mit Titten und Ärschen zu haben.
      Siehe oben:
      „Dabei ist es nicht so, daß ich irgendwas gegen Titten hätte! Ich bin kein Sexfeind, ich habe sehr gerne Sex. Ich schaue auch gerne mal Pornos, wenn ich das Gefühl habe, da sind Leute die das freiwillig machen zu Gange. Ich möchte aber den Zeitpunkt selbst bestimmen können, wann ich mich auf meine Sexualität einlasse, wann sie eine Rolle spielt.“

      –Was wenn Dir jene freizügig im Sommer von einigen Frauen offenherzig ‘präsentiert’ werden?
      Siehe oben:
      „Ich möchte Frauen auch nicht vorschreiben, wie sie sich zu kleiden haben.“ Im übrigen kleiden diese Frauen sich ja so, weil sie Lust drauf haben und nicht, weil sie mir was verkaufen wollen. Kannst Du da echt keinen Unterschied erkennen?

  4. „Ständig hält mir auf irgendeinem Plakat ‘ne Halbnackte ihre Titten oder ihren Arsch ins Gesicht“

    Titten und Ärsche bekommst Du aber auch sonst im öffentlichen Raum zu sehen.
    Und nein, nicht alle Frauen kleiden sich so bloß weil sie darauf Lust hätten, sondern viele weil sie sich damit präsentieren wollen.

    Und nein, nicht alle Werbung, will Dich persönlich; auch wenn Du männlichen Geschlechts bist, als Kunden bzw. Zielgruppe ansprechen.

    Also rede hier nicht von ‚Manipulation‘.

  5. „Im feministischen Diskurs spielt es natürlich eine Rolle, wenn Frauen auf ihre Sexualität reduziert dargestellt werden. Das irgendwo erwähnt wird, daß Männer sich durch diese Übergriffigkeit gestört fühlen könnten, habe ich noch nirgendwo gelesen.“

    Meiner Meinung nach ist diese Reduzierung auf Sexualität auch so nicht richtig. Nur weil man bei einer schönen Frau auf den Körper schaut reduziert man sie nicht auf diesen, genauso wenig wie man eine Köchin nur als Kochroboter sieht oder eine Lehrerin als ein Lehrbuch. Sexualität ist nichts schlimmes und man sollte aufhören Männer deswegen ein schlechtes Gewissen zu machen.

    Vielleicht trägt dieses schlechte Gewissen auch etwas dazu bei, dass du diese Darstellungen als Übergriffigkeit erlebst?

  6. hey, ich hab hier mal, wie ich finde, einen interessanten artikel rausgekramt, der zumindest das „schlechte gewissen“, welches hier zur sprache kommt, andeutet: es geht um die sexualität zwischen verklärung und verbrechen und dem bedeutungsverlust einer wissenschaft.
    http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wie-weitermachen

    ich als frau erfahre gerne etwas über die männliche refllektion zur sexualität, weil dann auch offensichtlich wird, dass es überhaupt auch kritische fragen von männern dazu gibt. im gegensatz zur frauenbewegung, feministischen gruppen, aber auch freundinnen, welche sich schon eine note im vorbeigehen abolen mussten, registriere ich pers. nix von männergruppierungen, die rollenbilder, sexualität etc. aus IHRER perspektive analysieren. denn die analyse ist nicht nur eine auf geschmack reduzierte meinung wie sie oftmals sehr plump und – ja, sexisitsch – von männern getroffen wird – sie bemüht sich um objektivität und thesenbildungen.
    obwohl…in richtung pornografie gibt es männliche stimmen, erinnere ich mich gerade, die die sexpraktiken in ihrer form und länge z. t. massiv verzerren. im kontext von werbung aber wird eig. nur weibliche empörung laut (dove, brigitte, photshop-lüge etc.) das sehe ich auch so. daher finde ich diesen blogbeitrag sehr erfrischend.
    sicher spielen werbeleute mit evolutionär begründeten, meist unbewussten einstellungen des menschen zur sexualität. der mann guckt gerne, heißt es, die frau will gesehen werden, heißt es – alles nur, um jeder zeit der biologischen aufgabe der arterhaltung gerecht werden zu können. und wenn in der sparte hochbezahlte werbeleute werbung konzipieren, werden sie das ganz sicher auf der basis von studienergebnissen, erfahrungsberichten, marktforschung etc. tun. die werbung als spiegel der gesellschaft, habe ich schon oft gelesen.
    wir sprechen von sexualisierung, die dazu führt, dass nackheit als normal angenommen wird, aber eben immer noch aufmerksamkeit (es gibt immer noch den verstoß der „erregung öffentlichen ärgernis“ durch z. b. überdimensionale nackheit auf werbeträgern) auf sich zieht. das kann ja eigentlich nur an der evolution liegen. alles andere, das wir zum zigsten mal sehen, lässt uns kalt.
    so. frage ist, was wen daran warum genau stört? das kann man nur im soziokulturellen kontext beschrieben werden. meistens geht es dabei um macht. die möglichkeiten, etwas zu tun oder sein zu lassen, ergeben sich aus meist unsichtbaren („bilder sagen mehr als worte“) machtstrukturen, die von menschen gemacht und aufrecht erhalten werden. so ist nicht zwangsweise für denjenigen, der sich von sexualisierter werbung belästigt fühlt, sexualität an sich das problem – das hast du ja auch verneint – sondern die tatsache, dass du der (selbst-) kontrolle über deine sexualität für mindestens einen kurzen augenblick entmachtet wirst. ich müsste nachdenken, ob das automatisch manipulation ist, denn schließlich ruft solche werbung menschliche reaktionen hervor, die nicht zwangsläufig zum produktkauf führt – nur dann wäre ja eine zielgerichtete manipulation unterstellbar…werbepsychologie ist schon recht abgehoben, aber spannend. ein blick auf die uhr sagt mir, dass ich das jetzt nicht mehr hinkriege…
    im übrigen müssen auch frauen bei der eingangs beschriebenen werbung hinschauen. sie gucken nämlich auch gerne – nämlich, um sich zu vergleichen und zu überprüfen. deshalb sind sie ja – eigentlich schon immer – von potenziell stetiger selbstkritik gefährdet… (gesegnet ist jedenfalls was gaaanz anderes!)
    noch was…ich habe neulich einen beitrag gelesen über das oxytocin-hormon, das bei menschen eben jenes wohlgefühl und vertrauen hervorrufen kann, welches auch die werbung nutzt, um z. b. durch schmuseszenen (katzenfutterwerbung) die zielgruppe zum kauf zu animieren. aber wie gesagt: animieren und mainpulieren sollte man erst mal gegenüberstellen.
    http://www.freitag.de/autoren/the-guardian/bitte-nicht-unterdosieren

    • ich bin hin und hergerissen: wenn man von evolutionären vorgängen spricht, dann doch von prozessen, die sich eben nicht – wie ich behauptete – unserer macht beugen, sondern sich ihr entziehen. dass wir sie zum teil wiederrum kontrollieren können, wurde uns anerzogen, hat also soziokulturelle ursachen. und genau das – die unterdrückung von sexualität, das schlechte gewissen steht im fokus der kritik vieler…

    • Danke für Deine ausführliche Antwort. Gerade den Aspekt, daß Frauen sich sowas angucken und sich damit vergleichen ist ein sehr interessanter. Wenn ich mich in meiner unmittelbaren Umgebung umschaue, dann sehe ich dort eine Menge Frauen, die sich immer wieder mit Fragen wie „Bin ich zu dick?“, „Bin ich hübsch genug?“, etc… beschäftigen. Sie beschäftigen sich sehr intensiv damit, lesen dafür Magazine, geben Geld aus oder investieren Zeit. Für mich hängt an diesem Thema auch die Frage, wie wir Sexualität in der kommenden Epoche handhaben wollen.
      Wollen wir Sexualität zum Konsumgut verkommen lassen? Soll jeder von uns eine konsumierbare Sexualeinheit darstellen, deren Wert man an der Länge des Penis, an der Größe der Brüste sowie an weiteren ästhetischen Verhältnissen und erlernten Spielarten bemessen? Soll Sexualität genau so zum Handelsgut werden wie medizinische Versorgung und Bildung?
      Der Artikel, den Du ganz am Anfang verlinkst, paßt ganz gut. Er zeigt gut auf, daß wir uns mitten in einem Veränderungsprozess befinden. Institutionen die Sexualität erforschen und Wissen vermitteln gehen zurück. Wissen emanzipiert den Wissenden. Institutionen die Sexualität zum Konsumgut machen sind im Aufwind. Konsumgüter und Konsum, gerade mit dem heutigen Trend, wo die Nutzung von Produkten immer weiter vom Hersteller vorgegeben wird, sind das Gegenteil von Emanzipation. Der optimale Konsument ist einer, der ohne nachzufragen kauft, was man ihm vorsetzt.
      Meine Vorstellung von erfüllter und selbstbestimmter Sexualität lassen sich mit einer konsumorientierten Herangehensweise jeden Falls nicht in Einklang bringen. Lange Zeit haben die Religionen sich eine Deutungshoheit über Sexualität angemaßt und Sexualität ganz klar als Unterdrückungsmechanismus gegen Menschen verwendet. Die Pille und die sexuelle Revolution haben das aufgesprengt. Die Vorstellung, daß wir dieses Vakuum jetzt mit Marktvorgaben ersetzen, daß es Strukturen vergleichbar mit Charts oder Bestsellerlisten geben soll oder das Sexmodetrends Dir vorgeben, wie Du zu ficken hast, ist mir ein Grauen. Das eine Einnordung unserer Sexulaität irgendwo zwischen Marktvorgaben und gesellschaftlich nützlichen Geschlechterklischees funktionieren könnte, zeigen mir Kommentare, die mir direkt ein schlechtes Gewissen unterstellen, weil ich es wage, Fragen zu stellen, die nicht meiner gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrolle entsprechen. Ich denke es wird dringend Zeit mal darüber nachzudenken und zu reden.

  7. hach, ärgerlich – sorry für die vielen textfehler. den gröbsten stelle ich gleich mal richtig: „obwohl…in richtung pornografie gibt es männliche stimmen, erinnere ich mich gerade, die die sexpraktiken in ihrer form und länge z. t. massiv verzerren.“
    nicht die stimmen verzerren, sondern äußern sich kritisch zu verzerrungen alltäglicher sexpraktiken durch so manchen porno.

  8. Man(n) muss nicht prüde sein, nur weil er in solcher Form dargebotene Werbung, nicht gut findet. Und ich bin begeistert, dass ein Mann sich zu dem Thema derart und öffentlich äußert!

    „Meine Vorstellung von erfüllter und selbstbestimmter Sexualität lassen sich mit einer konsumorientierten Herangehensweise jeden Falls nicht in Einklang bringen.“

    Du sagst es!
    Im Grunde bin ich mir sicher, dass es mehr Männer gibt, die ähnlich wie du empfinden, aber nicht darüber sprechen. Jedenfalls nicht in Männergesellschaft! Allerdings sieht das in Gegenwart einer Frau oft anders aus. Erst recht, wenn Mann mit Frau alleine ist. Werden Männer dann auf das Thema angesprochen, kommt es gar nicht so selten vor, dass sie sich ganz ähnlich äußern, wie du in deinem Artikel. Allerdings nur auf Nachfrage! Nicht immer, kann man sicher sein, ob es sich in dem Moment, um eine authentische Ansicht des Mannes handelt, oder nur, eine der Situation angepasste Antwort, (mehr oder weniger bewußt), kreiert wird und zum Zuge kommt. Bisher kannte ich nur ein männliches Exemplar der Gattung Mensch, der derart projuzierte Werbung als aufdringlich empfindet und dies auch in Anwesenheit anderer Männer, frei heraus äußert.
    Zumindest seid ihr jetzt zu zweit! 🙂

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