Die Kegelclubumfrage und die deutschen Medien

Sehr oft hat man von allen Seiten aus den Piraten vorgeworfen, daß sie zu wenig Frauen in der Partei haben. Gerne wird dieser Vorwurf dann mit der Unterstellung garniert, die Piraten seinen ein Haufen frauenfeindlicher Machos. Piraten sind grundsätzlich offen für Kritik, auch wenn sie zuweilen ziemlich platt vorgetragen wird. Was machen Piraten, wenn sie ein Problem vermuten oder erahnen? Sie machen sich schlau. Der Kegelclub hat eine wunderbare Umfrage rund um die Themen Geschlechterpolitik, Gender und Frauenpolitik gemacht, um heraus zu finden, was es denn so für Probleme in diesem Bereich gibt.
Als naiver Mensch könnte man sich erhofft haben, daß es eine gewisse Anerkennung dafür gibt, sich eines Problemes anzunehmen, auf das man hingewiesen wurde. Leider ist das nicht der Fall, in vielen Zeitungen mußte ich heute hämische bis hysterische Kommentare lesen, viele davon von Frauen. Jetzt möchte ich mal wissen, liebe weibliche oder weiblich sozialisierte schreibende Zunft, was versprecht Ihr Euch davon? Bisher ist die Umfrage innerhalb der Partei eher positiv aufgenommen worden, soweit ich das mitbekommen habe, wollt Ihr das unbedingt ändern, in dem Ihr die Ergebnisse skandalisiert? Meint Ihr, damit tut Ihr dem Kegelclub oder anderen Bestrebungen bei den Piraten, die sich um Geschlechterpolitik kümmern wollen, einen Gefallen? Und woher nehmt Ihr eigentliche Eure moralische Überheblichkeit wenn Skandale zu erzeugen Euch offensichtlich wichtiger ist, als das sich was für Frauen bewegt in diesem Land (oder in diesem Falle speziell bei den Piraten)?

Jetzt möchte ich aber auch noch mal kurz konkret werden. Auf sueddeutsche.de schreibt Hannah Beitzer: „Dass jedoch 22 Prozent denken, beim Feminismus ginge es um die Bevorzugung der Frau, ja, 13 Prozent sogar finden, das Hauptziel sei der'“Kampf gegen Männer‘ und insgesamt 46 Prozent aller Befragten mit dem Begriff etwas Negatives assoziieren, ist einfach nur erschreckend.“
Seit die Piraten 2009 regelmäßiger in den Medien sind, gibt es eine Konstante: regelmäßig gibt es oftmals niveaulose Angriffe auf die Piraten aus der feministischen Ecke. Vor allem die Emma hat sich wiederholt durch plumpe und schlecht bis gar nicht recherchierte Artikel hervorgetan, die auch gerne mal unter die Gürtellinie gingen. Auch in dem vorliegenden Kommentar gibt Frau Beitzer sich elitär. Sie scheint vorrauszusetzen, daß die Frauenquote ja bereits gesellschaftliche Konsens ist, und die Piraten die einzigen Menschen in Deutschland sind, die das nicht einsehen wollen. Offensichtlich lebt sie nicht im selben Deutschland wie ich.
Als nächstes wird den Piraten Geschichtsvergessenheit unterstellt. Sind das die ersten Versuche die Quotenkeule zur neuen Nazikeule hoch zu stlilisieren um politische Gegner mundtot zu machen? Die Menscheitsgeschichte läuft jetzt schon eine ganze Weile. Es gibt viele geschichtliche Themen mit denen es sich zu beschäftigen lohnt. Wie kommt Frau Beitzer auf die Idee, daß junge Menschen zuerst die Geschichte einer Gruppierung aufarbeiten wollen, von der sie ständig verunglimpft werden? Wenn ich mir z.B. eine Alice Schwarzer und ihre Auftritte heutzutage angucke, dann würde ich, wenn ich es nicht besser wüßte, niemals auch nur vermuten, daß diese selbstgefällige Moralistin mal für irgendwas anderes gekämpft hätte als für sich selbst, geschweige den für Freiheitsrechte von irgendwem.

„[…]aufhorchen lässt[…]: 36 Prozent der Befragten stört an der Genderdebatte in der Partei, dass sie nur auf Frauen abziele – und „andere Minderheiten“ vernachlässige.[…]“
Ist wohl zuviel verlangt, mal für eine Sekunde über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Bei den Piraten gibt es Gleichberechtigungspolitik und die richtet sich an jeden. Frauen erfahren in bestimmten Situationen Diskriminierung. Andere Gruppen erfahren in anderen Situationen Diskriminierung. Männer werden auch diskriminiert. Gleichberechtigungspolitik will Umgebungen und Umgangsformen schaffen, damit möglichst niemand sich an irgendeiner Stelle ausgeschlossen oder diskriminiert fühlt. Aber das gute ist, das die Piraten ihr Ding machen, da können die Medien ruhig schreien. Ätsch.

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Ein Gedanke zu „Die Kegelclubumfrage und die deutschen Medien

  1. Das Problem mit der Kegelklubumfrage ist, dass sie lausig schlecht ausgewertet wurde und die Schlussfolgerungen fast schon zu plakativ und mediengerecht marktschreierisch sind bz. waren. Auf jeden Fall decken die so genannten „Rohdaten“ (d.h. die Teile der Daten, die der Kegelklub rausrückt, um die AUssagen gegenzuchecken) die Aussagen der so genannten „Ergbenisse“ nicht. Man wird noch einmal eine Umfrage machen müssen, wenn man Belastbares zum Gendern bei den Piraten herausfinden will, denke ich. Macht aber nix, schließlich konnten die Neumitglieder aus der Eintrittswelle im Frühjahr in der ersten Umfrage gar nicht befragt werden.

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