#WirsindAutismus: Nein, seid Ihr nicht und diese Kampagne basiert auf massiver Fehlinformation

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Der Ursprung dieser Kampagne ist hier zu finden. Anlass war der Kongress des Bundesverbandes Autismus e.V. in Dresden, der am vergangenen Wochenende statt gefunden hat. Der @Querdenkender hat von dort berichtet. Die Reaktionen auf seine Berichte haben eine seltsame Eigendynamik bekommen. Mittlerweile gibt es ca. ein Dutzend Blogposts von Autisten, die zwar nicht am Kongress teilgenommen haben, aber ganz genau zu wissen scheinen, was dort passiert ist. Ich muß sagen, daß ich von den Ausmaßen, die es zum Teil nimmt, wirklich schockiert bin. Da tauchen ein Haufen Texte auf, die wirken schon fast wie von einander abgeschrieben, Fakten findet man wenige, aber Mutmaßungen und Übertreibungen. Also genau jene fatale Mischung, die wir einst zum Beispiel nach dem Auroraamoklauf kritisiert haben. Weiterlesen

Autismus und Presse

Seit letztem Jahr arbeite ich für die Firma Auticon bei Vodafone. Kurz nachdem ich dort angefangen habe, hat SAP in einer Pressemitteilung veröffentlicht, daß sie in Zukunft einen gewissen Anteil an Autisten einstellen wollen. Daraufhin wurde auch der Kooperation von Vodafone und Auticon sehr viel Aufmerksamkeit zuteil gelassen. Eines der letzten Ergebnisse der Pressebesuche wurde heute auf ARTE gezeigt, den Beitrag kann man sich jetzt in der ARTE Mediathek anschauen.
Über den Zeitraum von ca. einem halben Jahr gab es also wirklich regelmäßig Anfrage seitens der Presse. Im Nachhinein stehe ich dem, was dabei produziert wurde mit sehr geteilter Meinung gegenüber. Wir (mein Jobcoach von Auticon, der zuständige PR-Mensch bei Vodafone sowie meine autistischen Kollegen) hatten uns zum Ziel gesetzt, Autismus mal in einem positiven Licht zu präsentieren im Gegensatz zu den sonstigen Artikeln die gerne Verknüpfungen zu Geisteskrankheit und Gewalttaten ziehen. Ich wollte mir dabei keinen Falls anmaßen, für Autisten zu sprechen, bin mir aber auch bewußt, daß ich in den Augen der NTs, die die Sendung schauen, natürlich Autismus repräsentiere. Vodafone stand bei meinen PR-Aktivitäten immer hinter mir und hat mich dabei unterstützt, meine Position zu vertreten. Bei der inhaltlichen Gestaltung hatten wir (also die autistischen Consultants) freie Handhabe und die Termine waren so koordiniert, daß wir zu keinem Zeitpunkt mit der Presse alleine waren.
Unterm Strich gab es so gut wie keinen Bericht, der mich so richtig zufrieden gestellt hat, von der BBC mal abgesehen. Ich hätte gerne die Botschaft transportiert, daß Autismus lediglich eine Variante menschlichen Seins ist, daß wir aber ganz normale Menschen sind, die einfach in anderen Bereichen Rücksichtnahme benötigen, als die meisten Menschen. Allerdings trägt fast jeder Artikel einen ordentlichen Schuß Sensationalismus in sich und es bleibt immer irgendwie ein wenig das Gefühl, daß man ausgestellt wird. Außerdem enthält jeder Bericht mindestens einen größeren sprachlichen Faux-Pas wie „Autismus ist ein Gendefekt“ oder so.
Vielleicht ist das aber auch einfach dem Umstand einer profitgetriebenen Presselandschaft geschuldet: ohne Sensation verkauft es sich nicht. Jedenfalls fehlt mir nach dem ich jetzt einen Haufen Beiträge gesehen habe, an denen ich selbst beteiligt war, einfach völlig die kritische Distanz. Ich würde aber gerne mal ein bißchen Feedback von anderen autistischen Menschen bekommen. Deshalb habe ich hier noch mal einen kleine Liste mit ein paar Beiträgen zusammen gestellt. Wie findet Ihr die Berichte? Seit Ihr mit der Darstellung von Autismus einverstanden? Ich höre mir gerne auch Kritik zu meinem Auftreten an, bedenkt aber bitte, das ich natürlich keinen Einfluß darauf hatte, welche meiner Wortbeiträge jetzt wie in Szene gesetzt wurden. Bitte verteilt den Artikel auch weiter, wenn ihr Lust habt.

Political Correctness zersetzt jegliche Zwischenmenschlichkeit

In einem just veröffentlichten Text schreibt Sybille Berg darüber, wie Political Correctness ihr die Interaktion mit anderen Menschen verleidet: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/kolumne-von-sibylle-berg-ueber-politische-korrektheit-a-942246.html

Das ist sehr mutig, denn sie selbst hat keine augenscheinliche Behinderung. Damit macht sie es den Shitstormern einfach, liegt doch hier der Vowurf nahe, sie würde ihr „Privileg“ ausnutzen um „Schwächeren“ etwas vorzuschreiben. Ich finde aber, daß sie ein wichtiges Thema anspricht, was sowohl Menschen mit als auch ohne Behinderung etwas angeht.
Für den politisch korrekten Umgang mit einer Minderheit gibt es in Deutschland ein festes Regelwerk. Bevor man mit der Minderheit in Kontakt tritt, sollte man sich an geeigneter Stelle (z.B. die Webseite einer Organisation, die sich dieser Minderheit widmet) über korrekte Sprach- und Umgangsregeln informiert haben. Wenn man dann auf die Minderheit trifft, soll man in unterwürfiger Demut das zuvor erlente Programm abspulen. Hat das dann überhaupt noch etwas mit zwischenmenschlichem Austausch zu tun oder ist das schon Maschinenwinter? Weiterlesen

Alice Schwarzers Prositutions Appell im Remix

Das System Hartz IV ist Ausbeutung und zugleich Fortschreibung der traditionell gewachsenen Ungleichheit zwischen Besitzenden und Besitzlosen (und Ländern/Kontinenten). Das System Hartz IV degradiert Menschen zum käuflichen Geschlecht und überschattet die Gleichheit der Menschen. Das System Hartz IV brutalisiert das Begehren und verletzt die Menschenwürde von Männern und Frauen – auch die der sogenannt „freiwilligen“ Arbeitslosen.

Darum fordern wir von Politik und Gesellschaft:

  • Eine Gesetzesänderung, die der Deregulierung von Markt und Kapital schnellstmöglich Einhalt gebietet und die Menschen schützt.
  • Aufklärung über die Folgen von Sklavenhandel und Zeitarbeit bereits in den Schulen etc.
  • Ächtung und, wenn nötig, auch Bestrafung der Entscheider aus Politik und Wirtschaft; also der Menschenkäufer und Investmentbanker, ohne die dieser unmenschliche Markt nicht existieren würde.
  • Maßnahmen, die kurzfristig zur Eindämmung und langfristig zur Abschaffung von Lohnarbeit (z.B. Einführung BGE) führen.

Ein menschenwürdiges Leben ist denkbar.

Offener Brief an die Piratenbasis NRW

Liebe Basis NRW,

der Vorstand NRW hat einen Fail abgeliefert, der so kolossal ist, daß es man es nicht länger unter den Teppich kehren kann. Gemeinsam und mit voller Absicht hat man sich dazu entschlossen, all die anderen Piraten im Land zu belügen. Wenn man sich anschaut, wieviele Vorstandsmitglieder für die Bundestagsliste kandidiert haben, dann liegen die Gründe auf der Hand. Die Parteibasis wurde belogen, damit auf keinen Fall die eigenen Chancen bei der Kandidatur geschmälert werden. Weiterlesen

Ich bin raus

Ich hab mich lange aus Parteipolitik rausgehalten, weil sie mir zuwieder war. Dann kamen die Piraten. Die wollten es anders machen. Ich habe dann da angeheuert. Ich bin auf dem Piratenschiff eingeschlafen und im Gockelland wieder aufgewacht. Kickeriki, Zeit zum Aufstehen. Der Traum ist tot. Weiterlesen

Götterdämmerung, Baby!

Wurde aber auch Zeit. Die Piraten haben in Niedersachsen ordentlich die Hucke voll bekommen und das ist gut so. Vor ab möchte ich sagen, daß es mir ein wenig Leid tut für die tollen Leute aus diesem Landesverband, wie z.B. @crackpille oder @Fritten, der mitverantwortlich war für die geniale Kampagne in Niedersachsen. Es tut mir Leid, daß sie jetzt den Frust haben, den es mit sich bringt, ein Ziel zu verfolgen und es nicht zu erreichen.

Hoffnung für die Piratenpartei

Dennoch ist das Ergebnis von 1,8% ein Hoffnungsschimmer für diese Partei und genau das Ergebnis, was die Piratenpartei als Ganzes verdient hat. Ende 2011 sind die Berliner Piraten ins Parlament eingezogen. Ich behaupte, das haben sie aus eigener Kraft geschafft. Die Berliner Piraten haben es für meine Begriffe verstanden, Themen zu beackern, die den Wählern in ihrem Bundesland/Stadtstaat wichtg sind. Ich erwähne den Stadtstaat hier mit Absicht, weil ich denke, daß das Berliner Milieu besonders gut für Piraten geeignet ist. Weiterlesen