Autismus und Presse

Seit letztem Jahr arbeite ich für die Firma Auticon bei Vodafone. Kurz nachdem ich dort angefangen habe, hat SAP in einer Pressemitteilung veröffentlicht, daß sie in Zukunft einen gewissen Anteil an Autisten einstellen wollen. Daraufhin wurde auch der Kooperation von Vodafone und Auticon sehr viel Aufmerksamkeit zuteil gelassen. Eines der letzten Ergebnisse der Pressebesuche wurde heute auf ARTE gezeigt, den Beitrag kann man sich jetzt in der ARTE Mediathek anschauen.
Über den Zeitraum von ca. einem halben Jahr gab es also wirklich regelmäßig Anfrage seitens der Presse. Im Nachhinein stehe ich dem, was dabei produziert wurde mit sehr geteilter Meinung gegenüber. Wir (mein Jobcoach von Auticon, der zuständige PR-Mensch bei Vodafone sowie meine autistischen Kollegen) hatten uns zum Ziel gesetzt, Autismus mal in einem positiven Licht zu präsentieren im Gegensatz zu den sonstigen Artikeln die gerne Verknüpfungen zu Geisteskrankheit und Gewalttaten ziehen. Ich wollte mir dabei keinen Falls anmaßen, für Autisten zu sprechen, bin mir aber auch bewußt, daß ich in den Augen der NTs, die die Sendung schauen, natürlich Autismus repräsentiere. Vodafone stand bei meinen PR-Aktivitäten immer hinter mir und hat mich dabei unterstützt, meine Position zu vertreten. Bei der inhaltlichen Gestaltung hatten wir (also die autistischen Consultants) freie Handhabe und die Termine waren so koordiniert, daß wir zu keinem Zeitpunkt mit der Presse alleine waren.
Unterm Strich gab es so gut wie keinen Bericht, der mich so richtig zufrieden gestellt hat, von der BBC mal abgesehen. Ich hätte gerne die Botschaft transportiert, daß Autismus lediglich eine Variante menschlichen Seins ist, daß wir aber ganz normale Menschen sind, die einfach in anderen Bereichen Rücksichtnahme benötigen, als die meisten Menschen. Allerdings trägt fast jeder Artikel einen ordentlichen Schuß Sensationalismus in sich und es bleibt immer irgendwie ein wenig das Gefühl, daß man ausgestellt wird. Außerdem enthält jeder Bericht mindestens einen größeren sprachlichen Faux-Pas wie „Autismus ist ein Gendefekt“ oder so.
Vielleicht ist das aber auch einfach dem Umstand einer profitgetriebenen Presselandschaft geschuldet: ohne Sensation verkauft es sich nicht. Jedenfalls fehlt mir nach dem ich jetzt einen Haufen Beiträge gesehen habe, an denen ich selbst beteiligt war, einfach völlig die kritische Distanz. Ich würde aber gerne mal ein bißchen Feedback von anderen autistischen Menschen bekommen. Deshalb habe ich hier noch mal einen kleine Liste mit ein paar Beiträgen zusammen gestellt. Wie findet Ihr die Berichte? Seit Ihr mit der Darstellung von Autismus einverstanden? Ich höre mir gerne auch Kritik zu meinem Auftreten an, bedenkt aber bitte, das ich natürlich keinen Einfluß darauf hatte, welche meiner Wortbeiträge jetzt wie in Szene gesetzt wurden. Bitte verteilt den Artikel auch weiter, wenn ihr Lust habt.